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Die schwierige Sache mit den Stärken

Jeder Mensch hat Stärken. Und auch Schwächen. Die führen oft zu Stress. Die kennen wir aber oft viel besser, als unsere Stärken, und können deswegen besser damit umgehen. Denn auch wenn wir alle gerne Stärken haben, so fällt es uns oft sehr viel schwerer, uns diese bewusst zu machen und anzuerkennen. Warum eigentlich?

Ich möchte Ihnen dazu kurz eine Geschichte erzählen:
Neulich habe ich einen Stärkenworkshop an einer Schule gehalten. Mit den Schülerinnen und Schülern habe ich erarbeitet, was es heißt, seine Stärken zu kennen und einzusetzen. Und natürlich auch, wie sich dieses Verhalten auf die eigene Freude und den Erfolg auswirkt.

Zum Einstieg hatte ich Bilder von Comicfiguren dabei, und die Schüler sollten deren Stärken benennen. „Dory“ von „Findet Nemo“ kann also gut schwimmen und singen, „Olaf“ von „Frozen“ ist freundlich und lustig. In der anschließenden Gruppenarbeit sollten sich die Schüler in Gruppen zu 3 gegenseitig vorstellen. Und hier passierte etwas Erstaunliches: ein Schüler meldete sich und meinte, er habe nichts, was er gut kann. Ich fragte seine Gruppenpartner, warum sie denn mit ihm in einer Gruppe sind und schon wurden Dinge aufgezählt, die der Schüler gut konnte, wie etwa dass er sie zum Lachen bringt und gut im Fußball ist.

Jeder von uns hat unzählige Sachen, die er gut kann, die ihn auszeichnen, und die seine persönlichen Stärken sind. Doch wir selbst sehen diese Stärken oft gar nicht – wie der Schüler bei meinem Workshop. Denn was machen wir als Gesellschaft mit Stärken? „Eigenlob sinkt“ und „Sei bescheiden“ wird uns beigebracht und schon merken wir gar nicht mehr, was wir alles leisten und können. Dadurch entgeht uns eine Menge Freude, und viel tolle und schöne Gefühle, jeden Tag!! Denn jeder von uns hat Stärken und Eigenschaften, die uns wundervoll und einzigartig machen! Nur nehmen wir das selbst oft viel weniger wahr, als andere. Die Menschen in unserem Umfeld sehen unsere Stärken und Fähigkeiten oft viel deutlicher, als wir selbst.

Wie erging es also den Schülerinnen und Schülern im Stärkenworkshop? Sie hätten die Gesichter sehen sollen! Über jeden einzelnen wurden so viele schöne Sachen gesagt, das die meisten von einem Ohr bis zum anderen strahlten. Die anderen? Naja, ich drück es mal so aus: ein paar hatten schon viel Übung mit dem „Bescheiden sein“ und haben die Komplimente abgewehrt. Das hörte sich dann beispielsweise so an: „Ich bin doch gar nicht so gut in der Schule. Und der Michi klettert viel besser als ich.“ Komplimente annehmen ist oft gar nicht so leicht…

Wenn wir uns klar werden, dass wir Stärken haben, und welche das sind, fällt es uns viel leichter, ein positives und realistisches Bild über uns selbst zu haben. Denn wenn wir uns immer nur auf unsere Schwächen konzentrieren, dann ist das ehrlich gesagt ziemlich deprimierend und vor allem ein großer Stressfaktor für uns!

Mein Fazit nach dem Vormittag in der Schule war, vermehrt auf die Stärken der Menschen um mich herum zu achten und ihnen dies auch zu sagen. Die Reaktionen sind wunderschön, denn oft gibt es ein überraschtes Lächeln und viel mehr Menschlichkeit, selbst wenn auch nur für einen kurzen Moment. Denn jeder hat etwas, was er gut kann, und freut sich über ein ernst gemeintes Kompliment.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Ich hoffe, er bringt Sie bereits einen Schritt weiter in Richtung entspannten und ausgeglichenen Alltag.

Herzliche Grüße,

Ihre Rebekka Wapler