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Warum uns Komplimente annehmen schwer fällt

„Du schaust aber gut aus heute““

Hören wir das nicht alle gerne? Ein Kompliment ist ein schönes Geschenk, das wir doch oft mit Füßen treten. Warum?

Stellen Sie sich einmal vor, Sie treffen eine Bekannte und Ihnen fällt ihre schöne Jacke auf. Sie machen ihr also ein Kompliment.

„Deine Jacke sieht aber toll aus!“

Was ist die typische Reaktion von den meisten Menschen auf so ein Kompliment?

„Deine Jacke sieht aber auch sehr schön aus!“

oder

„Ach, die habe ich heute nur schnell angezogen, die ist schon alt.“

Was passiert dabei? Anstatt dass wir uns über ein Kompliment freuen, werten wir es ab – „Das ist doch nichts Besonderes“ – oder geben es sofort zurück – „Du aber auch“. Und mal ganz ehrlich: wie ernst nehmen Sie so ein Kompliment, das direkt zurückgegeben wird? Vielleicht geht es Ihnen ja wie mir und es kommt Ihnen immer irgendwie gezwungen vor, so dass Sie so etwas nicht wirklich ernst nehmen können.

Eigentlich schade, denn so ein Kompliment ist wie ein kleines Geschenk, wenn wir es wahrnehmen und wertschätzen. Jeder bekommt gerne positives Feedback, damit fühlen wir uns einfach wohler. Die Stimme der Selbstzweifel und Kritik in uns wird dadurch etwas leiser, was uns hilft, den Stress den wir sowieso haben, zu reduzieren.

Warum fällt es uns so schwer, Komplimente anzunehmen? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Hier sind die vier häufigsten:

1. Der eigene Selbstwert.

Niemand ist so kritisch mit uns, wie wir selbst. Dabei ist es egal, ob es um unser Äußeres, Fähigkeiten oder gerade getane Dinge wie eine Präsentation geht. Die Stimme in unserem Kopf ist in der Regel unser stärkster Kritiker und dadurch ein großer Stressfaktor! Doch wenn es uns gelingt, Komplimente anzunehmen und daran zu denken, dass der andere uns nicht so kritisch sieht, wie wir selbst, fällt es uns leichter und selbst auch als wertvoll zu sehen.

2. Das eigene Selbstbild

Wie wir uns selbst sehen, und wie andere uns sehen, stimmt oft nicht überein. Und genau wie mit dem Selbstwert, sind wir auch hier viel kritischer mit uns selbst. Oft stresst uns ein Kompliment aus einem einfachen Grund: wir sind einfach nicht an Komplimente gewohnt, denn wir geben uns selbst so selten welche. Wenn wir die Chance eines Komplimentes nutzen und einfach nur annehmen, dass uns die andere Person so sieht, können wir unserem Selbstbild damit schnell etwas Gutes tun.

3. Hohe Erwartungen

Wenn wir der Ansicht sind, dass wir ein Kompliment gar nicht verdienen, wird es schwierig. Dann wird aus einem nett gemeinten Kompliment schnell ein Stressfaktor, da wir Angst haben, enttarnt zu werden und das Gefühl haben, die damit verbundenen hohen Erwartungen halten zu müssen. Wenn uns beispielsweise jemand ein Kompliment für unsere Pünktlichkeit macht, fällt es uns deutlich schwerer, beim nächsten Mal unpünktlich zu sein, da wir ja die Erwartungen nicht enttäuschen wollen. Aber sind wir mal ganz ehrlich: Der Kompliment-Geber hat sich bestimmt nicht so viele Gedanken über das Kompliment gemacht wie wir, und hat es wahrscheinlich schon vergessen. 😀

4. Arroganz

Keiner möchte gerne arrogant wirken. Deswegen kurz und knapp: ein ehrliches „Danke“ auf ein Kompliment hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern drückt Wertschätzung aus. Anders wäre da ein „Ich weiß“, das kann schnell mal arrogant wirken. Aber mit unserer oft übertriebenen Ablehnung von Komplimenten – um ja nicht hochmütig zu wirken – tun wir unserem Selbstbild und unserem Selbstwert nicht wirklich etwas Gutes.

Anstatt ein Kompliment also zu erwidern, oder geringer zu machen, sollten wir es einfach annehmen, wie es ist. Das ist gar nicht so schwer, denn es reicht dazu ein ernst gemeintes „Danke“. Das ist übrigens für beide Beteiligte toll, denn auch der Komplimente-Macher kann sich so mehr darüber freuen. Schließlich wird sein Geschenk im übertragenen Sinn durch ein „Danke“ nicht schlecht gemacht oder direkt zurückgegeben sondern wertgeschätzt.

Natürlich können wir der Person, die uns ein Kompliment gemacht hat, ebenfalls ein Kompliment machen. Authentischer wirkt es allerdings, wenn wir das nicht sofort machen, und auch nicht unbedingt über dieselbe Sache. Denn jeder bekommt gerne Komplimente, auch wenn viele das nicht gerne zeigen. Wenn man sich nach einem „Du schaust aber gut aus heute!“ und ein paar Minuten Unterhaltung mit einem „Schön, dich getroffen zu haben.“ verabschiedet, wird ein Kompliment zurückgegeben, ohne den Wert des ersten Komplimentes zu verringern. So lässt sich unnötiger Stress und Kopfzerbrechen relativ leicht vermeiden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Ich hoffe, er bringt Sie bereits einen Schritt weiter in Richtung entspannten und ausgeglichenen Alltag.

Herzliche Grüße,

Ihre Rebekka Wapler