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Mit Stärken gegen den Stress

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem Segelboot auf dem Bodensee unterwegs. Die Sonne scheint und Sie genießen die Fahrt sehr. Plötzlich bemerken Sie ein Leck im Boot…

Wenn Sie nicht sinken wollen, muss dieses Leck geflickt werden. Doch wenn Sie die nächsten zwei Stunden mit dem Flicken verbringen, dann werden Sie in der Zwischenzeit noch weiter vom Heimathafen wegtreiben. Das Flicken des Lecks alleine wird Sie nicht voranbringen, denn Sie müssen irgendwann die Segel wieder setzen um voran zu kommen.

Diese Metapher von dem Psychologen Dr. Robert Biswas-Diener1 verdeutlicht die Rolle von Stärken und Schwächen in unserem Leben. Die Segel symbolisieren unsere Stärken: wenn wir sie nutzen, dann kommen wir voran, bekommen Energie und können uns unseren Zielen nähern. Wenn wir uns aber nur auf unsere Lecks – also unsere Schwächen – konzentrieren, dann bleiben wir stehen oder entfernen uns sogar noch von unseren Zielen, manchmal vergessen wir unsere Stärken sogar völlig.

In der Realität sind wir allerdings oft sehr fokussiert auf unsere Schwächen, und versuchen, diese möglichst auszugleichen. Das problematische dabei ist, dass wir dabei oft viel Energie verwenden, die uns dann bei dem Einsetzten unserer Stärken fehlt und die Schwächen schnell zu Stressfaktoren werden, da wir wenig Erfolgserlebnisse haben. Wenn wir allerdings unsere Stärken nutzten, dann kostet uns das deutlich weniger Energie, bringt uns viel schneller zu unserem Ziel und reduziert so unseren Stress.

Wir Menschen sind wie ein Segelboot aus Holz: irgendwo kommt immer etwas Wasser rein – wir haben also Schwächen. Doch wenn wir unsere Segel richtig setzten – also unsere Stärken einsetzen – und den Wind nutzen, dann kommen wir voran und können unsere Ziele erreichen. Warten wir jedoch im Hafen, bis kein Wasser mehr ins Boot kommt und alle Lecks geflickt sind – bis wir also keine Schwächen mehr haben – dann werden wir wahrscheinlich nie zu unserem Ziel kommen. Manche unserer Lecks sind übrigens auch so weit oben, dass gar kein Wasser durch sie hereinkommt. Wichtig ist, dass wir uns im sicheren Hafen um unsere Schwächen kümmern, wenn sie uns aufgefallen sind. Sie müssen nicht perfekt sein, nur sinken sollten wir ihretwegen nicht. Wenn wir unsere Segel allerdings auch immer nur im Hafen entspannt flatterl lassen, und unsere Stärken nie wirklich nutzen, dann wird es schwerer und schwerer werden, unsere Stärken anzuwenden und herauszufinden, wozu wir wirklich in der Lage sind.

Dieser starke Fokus auf die Schwächen ist übrigens nichts Individuelles, sondern eher eine soziale Norm. Selbstlob oder Überheblichkeit werden schließlich nicht gerne gesehen, und alleine der Spruch „Eigenlob stinkt“ hindert uns oft schon daran, uns unsere Stärken bewusst zu machen, und sie dann auch einzusetzen. Gelingt es uns allerdings, unsere Stärken zu nutzen, so fühlen wir uns glücklicher und zufriedener, sind entspannter und können Stress abbauen.

Was sind Ihre Stärken?
Was können Sie gut?
Wo setzen Sie Ihre Stärken ein?

Vielleicht fällt Ihnen eine Antwort hier gar nicht so leicht, einfach, weil wir nicht sehr geübt darin sind, unsere Stärken zu erkennen und vor allem auch über unsere Stärken zu sprechen.

Hilfreich dabei sind folgende Fragen:
Was haben Sie in Ihrem Leben bisher gemacht, worauf Sie stolz sind?
Was gibt Ihnen Energie?
Wofür setzen Sie sich ein?
Worauf freuen Sie sich in den nächsten Wochen?
In Ihren Antworten sind überall Stärken versteckt! Viel Spaß beim Entdecken. 😀

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Ich hoffe, er bringt Sie bereits einen Schritt weiter in Richtung entspannten und ausgeglichenen Alltag.

Herzliche Grüße,

Ihre Rebekka Wapler

Quelle: Biswas-Diener, R. (2010). Practicing Positive Psychology Coaching: Assessment, Activities, and Strategies for Success. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons, Inc.