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Stress – Der unbekannte Feind?

Stress ist in aller Munde – und fast jeder hat ihn.

Die meisten wollen ihn loswerden und beschweren sich, dass sie zu viel davon haben.
Doch kennen Sie die beliebteste  Ausrede der meisten Menschen im Alltag?

“Ich hol mir schnell ein Sandwich, ich hab zu viel Stress, um gesund zu essen.“
oder
„Ich hab so viel Stress, ich kann heute doch keinen Sport machen.“

Doch es gibt dabei eine sehr wichtige Unterscheidung, die Ihre Gesundheit stark beeinflussen kann:

Haben Sie gerade Eustress oder Disstress??

Wenn Sie erkennen, wann Sie welche Art von Stress haben, können Sie Ihre emotionalen Reaktionen darauf beeinflussen und somit auch die Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
Sie wissen nicht genau, was mit diesen beiden Begriffen “Eustress” und “Disstress” gemeint ist?
Die Antwort kommt gleich.

Doch wie entsteht Stress eigentlich? Und warum haben wir so viel davon?

Zunächst einmal brauchen wir eine Anforderung oder ein Ziel.
Diese stellen wir uns entweder selbst oder es wird von anderen – beispielsweise dem Chef – an uns gestellt.
Bewusst oder auch unbewusst stellen wir uns nun jedes Mal, wenn eine neue Anforderung oder ein neues Ziel auftaucht, in etwa folgende Frage:
„Wie kann ich dieses Ziel erreichen?“
oder
„Wie kann ich mit dieser Anforderung umgehen?“

Wenn wir den Weg wissen oder eine mögliche Lösung klar vor Augen haben, dann entsteht kein oder positiver Stress – dazu später noch mehr.
Wenn wir nicht wissen, wie wir mit der Anforderung umgehen sollen, oder unser Ziel erreichen können, oder wenn wir Schwierigkeiten erwarten, dann entsteht Stress, wie wir ihn kennen. Das ist der negative Stress – auch dazu später noch mehr.

Erstmal ist Stress eine natürliche menschliche Reaktion!

Kommen wir in eine Situation, die wir als stressig bewerten, reagiert unser Körper sofort. Evolutionär gesehen verbessert er damit körperliche und mentale Funktionen, damit wir überleben können. Die Hormone Adrenalin und Kortisol werden ausgeschüttet, unser Blutdruck steigt und unsere Instinkte schreien danach zu kämpfen, zu fliehen, oder zu erstarren.

Heutzutage machen wir das – in der Regel – nicht mehr, doch dadurch haben die Menschen früher ihre Stresssymptome abgebaut und konnten dann wieder entspannen. Das evolutionäre Überbleibsel sind heutzutage beispielsweise impulsive Handlungen im Streitgespräch (kämpfen), der schmollende Rückzug (fliehen), oder das apathische Abschalten (erstarren). Bei vielen von uns bleibt der Körper im angespannten Zustand, auch wenn die auslösende Situation schon vorbei ist. Wir wissen nämlich oft nicht mehr, wie wir für eine gesunde Balance im Körper sorgen, und den Stress abbauen können.

Lassen Sie uns zum genaueren Verständnis von Stress die beiden Varianten Eustress und Disstress genauer anschauen:

Eustress:

Er ist für uns positiv und tritt beispielsweise auf, wenn wir motiviert sind, oder Glück bei einer Aufgabe empfinden (hier spielt auch Flow eine Rolle). Meistens verwenden wir für solche Situationen andere Wörter und nennen sie herausfordernd oder spannend. Wir haben das Gefühl, dass wir dieser Herausforderung gewachsen sind. Der positive Stress steigert unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit, ohne dem Körper zu schaden. Wir sehen unsere Stärken und können sie einsetzen. Außerdem merken wir hier oft, wie belastbar wir sind.

Disstress:

Disstress ist für uns negativ. Er tritt auf, wenn wir Situationen als bedrohlich oder unangenehm empfinden, oder auch wenn wir uns überfordert fühlen. Negative Emotionen begleiten diese Situationen, es können auch Angst oder das Gefühl von Hilflosigkeit auftreten. Wir wissen nicht, wie wir diese Herausforderung bewältigen sollen. Der negative Stress engt unsere Aufmerksamkeit ein, wir werden unkonzentriert und gereizt. Wenn wir länger in so einer Situation bleiben und unser Körper keine Entwarnung bekommt, funktioniert auch die Stressbewältigung nicht mehr vernünftig. Passiert dies über einen längeren Zeitraum oder häufiger, kann dies negative Auswirkungen für Ihren gesamten Körper haben.

Und was bestimmt, ob wir Eustress oder Disstress empfinden?

Unsere eigene Interpretation der Situation ist hier entscheidend! Dieselbe Situation kann von jedem unterschiedlich wahrgenommen werden.

Stellen Sie sich einmal vor Sie sind beim Skifahren. Sie hatten bisher einen tollen Tag und viel Spaß. Jetzt stehen Sie oben am Berg, es ist Ihre letzte Abfahrt. Und Sie wissen, der einzige Weg nach unten ist über eine steile schwarze Piste.

Wenn Sie ein geübter Skifahrer sind, ist diese Abfahrt für Sie sicher kein Problem. Sie wissen, dass Sie sich konzentrieren müssen, aber die Piste ist für Sie noch einmal eine tolle Herausforderung zum Schluss. Sie erleben also Eustress.

Ganz anders sieht die Situation allerdings aus, wenn Sie ein eher ungeübter Skifahrer sind. Dann ist diese Abfahrt für Sie doch eher beängstigend. So eine steile Piste sind Sie vielleicht noch nie gefahren und Sie wissen nicht, wie Sie den Berg heil hinunter kommen sollen. Sie erleben also Disstress.

Die Situation ist hier beide Male dieselbe, die Interpretation und dadurch das Stressempfinden jedoch sehr verschieden.

Die Stellschraube

Eben diese Interpretation ist aber auch eine Stellschraube, um vom Disstress in ein positiveres Erleben einer Situation zu kommen! In den meisten Situationen merken wir, wenn wir negative Emotionen wie Angst oder Überforderung erleben. Anstatt wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange zu erstarren, können wir aber auch eingreifen und unsere Gefühle selbst beeinflussen. Wir können zum Beispiel kurz (zumindest mental) aus der Situation hinausgehen und ein paarmal tief durchatmen. Mit ein bisschen Abstand sehen wir die Dinge oft neutraler und finden eine Möglichkeit um aktiv zu werden.

Um bei unserem Beispiel vom Skifahren zu bleiben:

Wenn der ungeübte Skifahrer ein paarmal tief durchatmet und die Abfahrt ohne Angst betrachtet, fällt ihm vielleicht auf, dass die Piste auf der rechten Seite weniger steil ist. Hier kann er die Abfahrt mit langsamen und breiten Bögen meistern. Ist ihm das gelungen, so wird ihm eine ähnlich steile Abfahrt das nächste Mal deutlich weniger Angst und mit der Zeit sogar Eustress bereiten. Er hat durch diese Erfahrung gelernt, wie er mit so einer Situation umgehen kann, und ist das nächste Mal belastbarer.

Fazit

Durch eine bewusste Beeinflussung der Gedanken ist es also möglich, dass wir unsere Gedanken und Gefühle neutralisieren und die Situation anders angehen können. Ob wir neue Anforderungen und Ziele als Stressfaktoren ansehen oder uns davon zu Höchstleistungen motiviert sehen, entscheidet also unsere Wahrnehmung der Situation und damit unser Kopf. Und wir haben in sehr vielen Situationen Einfluss darauf.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Ich hoffe, er bringt Sie bereits einen Schritt weiter in Richtung entspanntem und ausgeglichenen Alltag.

Herzliche Grüße,

Ihre Rebekka Wapler