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6 erstaunliche Wirkungen von Kälte auf uns

Wie Kälte uns beeinflusst – ohne dass wir es merken!

Eisige Temperaturen und Schnee bestimmen zurzeit unser Wetter. Die meisten von uns versuchen, die Kälte wo es geht zu vermeiden und packen sich warm ein, wenn sie dennoch nach draußen müssen. Fahrradfahrer und Läufer sind ein seltener Anblick. Doch welchen Einfluss hat die Kälte auf unsere Körper und unsere Psyche, abgesehen davon, dass wir mehr Kleidung anziehen müssen? In der Wissenschaft gibt es nicht umsonst den Ausdruck „Kälte-Stress“.

1. Kreativität

Wenn es warm ist, sind wir anders kreativ, als bei Kälte. Bei Wärme sind wir besser darin,  kreativ zu zeichnen, Objekte zu kategorisieren und uns fallen leichter Geschenkideen für andere ein. Bei Kälte sind wir hingegen besser darin, Metaphern zu erkennen, abstrakte Namen zu erfinden und abstrakte Geschenkideen zu finden.² Wer also etwas konkretes Planen will, sollte das im warmen Büro tun. Wer hingegen abstraktes Denken benötigt, tut sich bei einem kurzen Spaziergang in der Kälte leichter. Ob das in der Realität tatsächlich praktikabel ist, bleibt offen.

2. Filmauswahl

Wenn es draußen oder körperlich kalt ist suchen wir Wärme, die wir bei der Kälte draußen aber nicht finden. Deshalb suchen wir nach psychischer Wärme. Die bekommen wir, durch Stress abbauen, Entspannung und Wohlfühlen. Und welche Möglichkeit ist dafür besser geeignet, als der kalten Realität zu entfliehen, indem wir romantische Filme anschauen? Das ist tatsächlich keine eigene Beobachtung, sondern das Fazit mehrerer Studien1 zu diesem Thema. Bei Kälte leihen wir vermehrt romantische Filme aus, und schon ein kaltes Getränk in unserer Hand führt dazu, dass wir eher romantisch Filme wählen. Liebe wärmt uns also von innen heraus wieder auf.

3. Soziales Verhalten

Kälte und Wärme haben einen direkten Einfluss auf unser soziales Verhalten und unsere Einschätzung von Mitmenschen. Wenn wir etwas Warmes (z.B. einen heißen Kaffee) in unseren Händen halten, beurteilen wir andere als großzügiger und liebevoller, als wenn wir etwas Kaltes halten. Gleichzeitig sind wir selbst großzügiger mit etwas Warmem in der Hand, als mit etwas Kaltem, wo wir Dinge eher für uns selbst behalten.

Wenn wir also beispielsweise vor einer Präsentation alle Zuhörer mit warmen Tassen versorgen, werden wir von diesen unwillkürlich positiver beurteilt werden.

4. Winterdepressionen

Achtung! Winterdepressionen gibt es rein wissenschaftlich gesehen nicht.³ Hier spielt – wie beim Stress – unsere eigene Einstellung und Erwartung eine große Rolle. Wenn wir erwarten, dass es uns in der Kälte schlechter geht und wir niedergeschlagener oder gestresster sind, dann erleben wir den Winter höchstwahrscheinlich auch so. Das Grübeln fällt uns leichter, wenn es draußen dunkel, kalt und grau ist, als bei Sonnenschein und Wärme. Doch einen tatsächlich nachweisbaren Einfluss auf negative Verstimmungen haben weder die Kälte noch der Winter.

5. Gedächtnisleistungen

Während einige Tiere bei Kälte Winterschlaf halten, um ihre Ressourcen zu schonen, leben wir unseren Alltag normal weiter. Auch unsere Gedächtnisleistungen verändern sich im Laufe des Jahres nicht. Was sich jedoch verändert, ist die Gehirnaktivität: diese ist im Winter geringer.4 Da die Leistungsfähigkeit jedoch gleich bleibt, spricht das eher für eine höhere Effektivität unseres Gehirns, die gleichzeitig bei Kälte unsere Ressourcen schont. Ziemlich clever, was unser Körper so alles kann.

6. Harte Zeiten

Phobien gibt es für alles Mögliche, weshalb es kaum verwunderlich ist, das eine davon auch die Kälte betrifft: Chionophobia ist die ständige Angst vor Schnee, besonders davor, im Schnee gefangen zu sein. Allein Wettervorhersagen, die Kälte und potentiell Schnee ankündigen, reichen schon, um die Betroffenen in Angst zu versetzten.5

Übrigens gibt es noch deutlich kältere Städte, als hier bei uns: Oymyakon in Russland ist der kälteste dauerhaft bewohnte Ort und hat eine durchschnittliche Temperatur von -50°C. Hier frieren Wimpern ein, die Autos werden laufen gelassen, da sie sonst nicht mehr anspringen, und die Schulen schließen erst bei -40°C. Dort ist Kälte ein wahrer Stressfaktor, und wir haben es eigentlich ganz angenehm hier. 😀

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Ich hoffe, er bringt Sie bereits einen Schritt weiter in Richtung entspannten und ausgeglichenen Alltag.

Herzliche Grüße,

Ihre Rebekka Wapler

 

Referenzen:
1 Hong, J., & Sun, Y. (2011). Warm it up with love: The effect of physical coldness on liking of romance movies. Journal of Consumer Research, 39(2), 293-306.
2 IJzerman, H., Leung, A. K. Y., & Ong, L. S. (2014). Perceptual symbols of creativity: Coldness elicits referential, warmth elicits relational creativity. Acta psychologica, 148, 136-147.
3 Williams, L. E., & Bargh, J. A. (2008). Experiencing physical warmth promotes interpersonal warmth. Science, 322(5901), 606-607.
4 Traffanstedt, M. K., Mehta, S., & LoBello, S. G. (2016). Major depression with seasonal variation: is it a valid construct?. Clinical psychological science, 4(5), 825-834.
5 Meyer, C., Muto, V., Jaspar, M., Kussé, C., Lambot, E., Chellappa, S. L., … & Archer, S. N. (2016). Seasonality in human cognitive brain responses. Proceedings of the National Academy of Sciences, 113(11), 3066-3071.
6 “Chionophobia.” Phobia Source. 2014. Accessed: Februar, 2018.