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Dankbarkeit – Wundermittel gegen Stress?

Sie senkt das Depressions– und Burnout-Risiko, sie wirkt als Puffer für alle Arten von Belastungen und Stress und hilft, schöne Erlebnisse bewusster und länger wahrzunehmen. Klingt gut, oder? Die Dankbarkeit ist ein wahres Wundermittel. Neu ist die Dankbarkeit eigentlich nicht, und doch vielleicht irgendwie schon. Denn das antrainierte “Danke” ist damit nicht gemeint. Wie kann die Dankbarkeit all diese tollen Dinge bewirken?

In meinen Seminaren stelle ich immer wieder die Frage „Wofür empfinden Sie Dankbarkeit?“ und bitte jeden Teilnehmer, dazu einen Aspekt im Plenum zu nennen.

Dankbarkeit wird für verschiedenster Dinge empfunden, und die Antworten sind beispielsweise:
„Ich bin dankbar für meine Familie.“
„Ich bin dankbar für meine Gesundheit.“
„Ich bin dankbar für mein Auto.“

In einem Seminar spaltete ein Dankbarkeits-Aspekt jedoch die ganze Gruppe. Denn einer der Teilnehmer sagte:

„Ich bin dankbar, dass ich jeden Monat meinen Lohn pünktlich überwiesen bekomme.“

Die Gruppe teilte sich durch diese Aussage in zwei Lager. Eine Seite war der Ansicht, dass man auf jeden Fall dafür dankbar sein sollte, wenn man den Lohn für seine Arbeit pünktlich und zuverlässig überwiesen bekam.
Der andere Teil der Gruppe war jedoch der Ansicht, dass es selbstverständlich ist, den Lohn jeden Monat pünktlich auf dem Konto zu haben und Dankbarkeit hier fehl am Platz war.

In der Psychologie wird bei soetwas zwischen sogenannten „state“ und „trait“ Eigenschaften unterschieden – also momentane kurzfristige Zustände (state) und dauerhaften Persönlichkeitseigenschaften (trait). Die Dankbarkeit kann beides sein, oder weder das eine, noch das andere. Denn Dankbarkeit ist Übungssache – sie ist quasi ein Muskel.

Wenn wir es gewohnt sind, für Dinge im Leben dankbar zu sein, dann sehen wir auch Dinge, die für andere eine Selbstverständlichkeit sind– wie die pünktliche Überweisung des Lohnes – als einen Grund für Dankbarkeit an. Dadurch entstehen die Grundlagen dafür, von den  positiven Wirkungen der Dankbarkeit zu profitieren.

Wenn wir uns darin üben, Dankbarkeit zu empfinden, dann wird uns dies Stück für Stück leichter fallen. Vielleicht sind wir dann anfänglich „nur“ für die Gesundheit dankbar. Und dann, Stück für Stück, kommt die Dankbarkeit immer mehr. Dann kommt die Dankbarkeit für die Familie, für die Arbeit, für den Lohn, und so weiter.

Vor ein paar Tagen habe ich ein wunderbares Buch gelesen, das mich zu diesem Artikel verleitet hat. Der Titel ist „An invisible thread“ – im deutschen „Immer montags beste Freunde“ – von Laura Schroff.
Die Autorin beschreibt darin eine ganz besondere Freundschaft:

Eines Tages geht Laura in ihrer Heimatstadt New York spazieren und wird von einem bettelnden Jungen um Kleingeld gebeten. Sie geht weiter, dreht sich jedoch nach ein paar Metern um und lädt den Jungen zum Mittagessen ein. Es entwickelt sich ein Ritual und die beiden gehen fast jeden Montag zusammen Mittagessen – Jahre lang. Von ihren Freunden wird Laura immer dafür bewundert, dass sie sich um diesen Jungen kümmert. „Er kann dankbar sein, dass er dich getroffen hat.“ Doch Laura sieht das anders: „Er hat mir gezeigt, was Freundschaft ist. Er hat mir gezeigt, was die wahren Werte im Leben sind und wie gut es mir wirklich geht.“

Die Autorin ist voll Dankbarkeit dafür, dass sie einem bettelnden Jungen in Not helfen kann, sein Vertrauen gewinnt, und durch ihn für sie wertvolle Lektionen lernt. Durch ihre Haltung der Dankbarkeit nimmt sie wahr, welch wertvolle Erfahrungen sie durch diese Freundschaft macht, statt nur zu sehen, was sie dem Jungen Gutes tut.

Ich kann dieses Buch absolut empfehlen. Es ist eine sehr bewegende Geschichte, die tatsächlich so passiert ist!

Das Tolle an der Dankbarkeit ist: wir können jeden Tag ein kleines bisschen üben und es wird so Schritt für Schritt leichter, Dankbarkeit zu empfinden.

Dankbarkeit ist eine schöne Eigenschaft, die viele positive Effekte hat und das Leben erleichtern kann.  Dankbarkeit nimmt dir auch oft einiges von deinem Stress weg, da der Blickwinkel auf Situationen ein anderer ist – wir sehen dann die positiven Aspekte, für die wir dankbar sein können, statt uns auf Stressfaktoren und andere negative Aspekte zu fokussieren.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Ich hoffe, er bringt Sie bereits einen Schritt weiter in Richtung entspannten und ausgeglichenen Alltag.

Herzliche Grüße,

Ihre Rebekka Wapler